Gattungen der Computerspiele - ein Überblick

 
Computerspiele versetzen uns in eine Welt, die von einer kaum überschaubaren Vielzahl und Vielfalt an Möglichkeiten geprägt ist und in der sich der Einzelne / die Einzelne je nach Vorlieben und Fähigkeiten bewegen kann. Doch die Möglichkeiten sind so mannigfaltig, dass es schwer fällt, den Überblick zu behalten. Kein Wunder, schließlich sind in den vergangenen 35 Jahren mehr als 50000 verschiedene Spiele erschienen! Um eines vorwegzunehmen: Eine ideale Einteilung in Genres gibt es nicht. Zum einen existiert eine unüberschaubare Anzahl an neuen und alten Titeln auf dem Markt. Zum anderen vermengen sich die Gattungen untereinander.
 

Die Entwicklung der Computerspiele

Die Vorläufer der heute allgegenwärtigen Computerspiele sind elektronische Automatenspiele, die sich vor allem in den 1970er und 1980er Jahren in vielen Hotels und Restaurants großer Beliebtheit erfreuten. Seit diesen frühen Formen hat sich viel verändert. Mit der Einführung des Personal Computers (PC) war der Grundstein gelegt für die Entwicklung der Spiele, wie sie uns heute so vielfältig begegnen. Während der PC ursprünglich nicht zum Spielen sondern eher für Büroaufgaben konzipiert war, begann man bald, auf Computerspiele spezialisierte Geräte – so genannte Spielkonsolen - zu entwickeln, die an ein TV-Gerät angeschlossen und als Videospiele (bzw. Telespiele) fungierten. Die ansteigende Nachfrage und die rasante Entwicklung der Computertechnologie ermöglichten bald die Produktion spezieller Computerspiele, die auf eine große Resonanz stießen und eine schnelle Verbreitung fanden.
 
Mit der Etablierung der Konsole fand in den vergangenen Jahren ein Wandel in der Spielkultur statt, der sich als eine gezielte Zusammenführung der beiden ‚Urformen’, dem Video- und dem Computerspiel, durch Speichermedien wie CD-ROM oder DVD beschreiben lässt. Gespielt wird nicht mehr ausschließlich am Schreibtisch, sondern auch vor dem Fernseher. Ansprechend gestaltet, wird die Konsole häufig gut sichtbar neben dem Fernsehgerät platziert und als Designobjekt immer mehr zum Imageträger. Doch auch im mobilen Alltag sind Computerspiele inzwischen allgegenwärtig. Das so genannte Mobile-Gaming mit handflächengroßen, tragbaren Spielkonsolen oder spielfähigen Mobiltelefonen macht das Spielen in der Straßenbahn, auf Plätzen, in Parks oder Cafés jederzeit und allerorten möglich.
 

Das Spektrum der Spiel-Genres

Maßgeblich für eine grobe Kategorisierung von Computerspielen ist, neben der Art des Spielens, die Darstellung des Spielgeschehens: Arcade-Spiele entstammen der Zeit der Spielautomaten und sind einfache rundenbasierte Geschicklichkeitsspiele (z.B. Pong!). Diese repräsentieren historisch gesehen das älteste Genre. In Jump’n’Run-Spielen (Spring- und Laufspiele) muss die Spielfigur auf verschiedenen Ebenen Gegenstände einsammeln, die dem Spieler Punkte bringen (z.B. Super Mario Bros.). In Adventures (Abenteuerspiele) steht hingegen das Erleben einer Geschichte im Mittelpunkt (z.B. Fahrenheit). Oft wird die Spielfigur nur indirekt durch Mausklicks gesteuert – daher auch der Name Point-and-Click-Adventure. Shooter werden als rasante Action-Spiele meist in der Ich-Perspektive gespielt, selten in der 3rd-Person-Perspektive, bei der die Kamera von hinten auf den Spieler schaut. Von erfreulichen Ausnahmen abgesehen (z.B. Half-Life 2), ist dabei die Story häufig nebensächlich. Das Wichtigste ist die detailreiche Darstellung des Geschehens, nicht nur in Bezug auf die häufig sehr realistisch gestalteten Waffen, sondern auch durch den wahrgenommenen dreidimensionalen Raum, in dem sich der Spieler mit Maus und Tastatur bewegt. Als Varianten finden sich Mehrspieler-Schlachten im lokalen Netzwerk oder über das Internet, wie etwa das populäre Counter-Strike oder andere Shooter, die Strategie- und Taktikelemente integrieren. In Rollenspielen steht die Entwicklung des Charakters der Spielfigur (Avatar) mit seinen Fähigkeiten im Mittelpunkt. Dies geschieht häufig über das Lösen von Aufgaben (Quests) in einer fabelhaften Fantasiewelt. Eine Sonderform der Rollenspiele sind MMORPGs (Massively Multiplayer Online Role Playing Games) wie World of Warcraft. Hier spielen tausende von Spielern gleichzeitig und formieren sich oft in festen Gruppen (Gilden). In Strategiespielen wird durch strategische Überlegungen ein Gesamtkonzept umgesetzt: Aus der Vogelperspektive übernimmt der Spieler beispielsweise den Aufbau einer eigenen Zivilisation wie in Civilization oder es werden historische Schlachtszenarien nachgestellt. Simulationsspiele versuchen reale oder fiktive Situationen möglichst genau nachzuempfinden und virtuell nachzuspielen (z.B. Die Sims). Sport- und Rennspiele wie die Need for Speed Reihe erfordern eine hohe Konzentration, Geschicklichkeit und Schnelligkeit. Häufig werden diese Spiele auch mit Elementen der Wirtschaftssimulation kombiniert. Die besonders für Spielkonsolen immer beliebteren Casual Games (Gelegenheitsspiele) umfassen Brett-, Karten-, Rhythmus-und Partyspiele wie Sing Star.
 

Zwischen Frust und Spielspaß

Maßgeblich für den Spaß beim Spielen sind neben den persönlichen Präferenzen die eigenen Kompetenzen, die erforderlich sind, um den Anforderungen des Spiels gerecht zu werden. Sind Spiele zu kompliziert, ist das Spiel schnell aus. Im Idealfall können Computerspiele durch maßvolles Spielen auch dazu beitragen, soziale Kompetenzen zu fördern und das Denken in Zusammenhängen zu trainieren. Durch die Alterseinstufungen der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) ist für Spieler, Eltern und Pädagogen schon beim Kauf leicht erkennbar, für welches Alter das entsprechende Spiel geeignet ist.

 

Benjamin Bigl, M.A.

ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig. Er promoviert zum Thema ‚Die Rezeption von Computerspielen. Assoziative Transfereffekte im Kontext des Unterhaltungserlebens bei interaktiven Virtual Reality Spielkonsolen und klassischen PC-Spielen’.

 

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