Im Gespräch mit Prof. Dr. Fromme

Ist die GC - Games Convention eine Messe zu der insbesondere junge Leute pilgern oder zieht sie auch andere Zielgruppen an? Welche Haltung nehmen vor allem Eltern und Pädagogen zu Computerspielen ein? In einem Interview mit Johannes Fromme, Professor für erziehungswissenschaftliche Medienforschung der Universität Magdeburg und Leiter des dort ansässigen audiovisuellen Medienzentrums (AVMZ), wurde diesen Fragen auf den Grund gegangen.
Herr Fromme, können Sie sich vorstellen, warum so viele Menschen zur GC - Games Convention pilgern?
Dazu fallen mir verschiedene Antworten ein. Zum einen ist die GC - Games Convention die einzige Messe in Deutschland, in der es primär um Computer- und Videospiele geht. Damit spricht sie natürlich all jene Leute an, die sich für Neuigkeiten in diesem Bereich interessieren. Zum anderen hat die Messe eine gewisse Eigendynamik entwickelt. Der Konsolen- und Spielemarkt wächst jährlich, wodurch auch das Interesse der Bevölker-ung daran wächst. Der Markt reagiert auf die steigende Nachfrage nach Neuerungen und innovativen Spielmöglichkeiten. Ein weiterer Grund für die Vielzahl an Menschen auf der GC - Games Convention ist die Atmosphäre der Messe. Damit ist gemeint, dass die Messe zu einem gesellschaftlichen Phänomen geworden ist, auf der insbesondere Jugendliche eine Möglichkeit sehen, sich zu treffen und auszutauschen. Ebenso wichtig ist jedoch auch die Neugier von Eltern und Erwachsenen, die wissen möchten, was ihre Kinder spielen. Sie wollen sich genauso wie das jüngere Publikum informieren. Das heißt, die GC - Games Convention ist nicht länger eine Veranstaltung, an der nur „Freaks“ Interesse haben, sondern auch die breite Öffentlichkeit. Die durch die hohen Besucherzahlen entstandene Anonymität mag eingesessene Fans zwar abschrecken, für die Massen der Bevölkerung ist sie jedoch anziehend. Die GC - Games Convention in Leipzig ist zu einem Massenphänomen geworden.
Sind Computerspiele ein Jugendphänomen?
Diese Aussage ist nur teilweise richtig, denn das Durchschnittsalter der Computerspieler steigt. Immerhin gibt es Computerspiele bereits seit den 1980er Jahren. Damit gibt es bereits eine breite Generation, die mit Computerspielen groß geworden ist und die mittlerweile bereits eigene Kinder hat. Bei Onlinespielen gibt es Zahlen, die zeigen, dass das Durchschnittsalter inzwischen bei achtundzwanzig Jahren liegt, zum Beispiel bei World of Warcraft. Die Spieler werden älter, was zeigt, dass Computerspiele also längst nicht mehr als reines Jugendphänomen zu sehen sind. Anderseits liegt das Alter des Kernpublikums unter vierzig Jahren. Das wird auch am Publikum der GC - Games Convention sichtbar, welches überdurchschnittlich jung für eine Messe ist.
Wie könnte man die Besucher der GC - Games Convention beschreiben und welche unterschiedlichen Zielgruppen lassen sich hier fassen?
Eine homogene Beschreibung der Besucher der GC - Games Convention ist kaum möglich. Es wird jedoch deutlich, dass die Besucher nicht länger ausschließlich jugendliche männliche sind. Es ist zwar auffällig, dass die Mehrzahl der Besucher männlich ist, aber auch die junge weibliche Bevölker-ung ist immer mehr an der Konsolen- und Spielewelt interessiert. Gut zu beobachten ist dies bei Ausstellern, die sich auch auf andere Zielgruppen eingestellt haben. So ist beispielsweise der Andrang bei der Wii – Konsole durch diese Zielgruppe bezeichnend. Im Gegensatz dazu finden sich bei Online- und Rollenspielen ebenso wie bei Shootern immer noch wesentlich mehr Jungen als Mädchen. Eine weitere Zielgruppe ist die der Eltern und Pädagogen. Dass es für diese Zielgruppe mit der GC Family einen eigenständigen Bereich auf der Messe gibt, zeigt ebenfalls den Zuwachs des breiteren Publikums.
Ist dann die Behauptung, dass gerade Eltern und Pädagogen negativ auf Computerspiele reagieren, überhaupt noch aufrechtzuerhalten?
Diese Aussage stimmt vielleicht nicht mehr in dem Ausmaß, wie das noch vor circa zehn Jahren zutraf. Es gab in den 1990er Jahren Studien verschiedener Art, in denen sehr deutlich wurde, dass Eltern und Pädagogen in Bezug auf das Wissen von Kindern deutlich zurückfallen. Selbst noch hinter jenes der Kinder, die gar nicht spielen oder nur sehr wenig. Aktuelle Studien zeigen allerdings, dass dieser Wissensvorsprung geringer wird. Inzwischen liegt der Vorsprung Jugendlicher wohl eher in anderen Medienbereichen wie zum Beispiel beim Internet mit den verschiedensten Communitys, etwa studiVZ.
Welche Haltung zu Computerspielen ist denn heute für Eltern und Pädagogen charakteristisch und was kann die GC - Games Convention ihnen bringen?
Eine gewisse Vorbildung in Bezug auf Computer- und Konsolenspiele weisen Eltern und Pädagogen sicher auf. Ein stetiges Interesse an diesen Dingen ist aber wohl eher der Minderheit zuzuschreiben. Die Neugier an diesen Phänomenen wird in der Regel erst dann bei vielen Eltern geweckt, wenn das eigene Kind zu spielen beginnt oder die Medien einen Vorfall schildern, indem ein Computerspiel daran schuld sei, eine extreme Situation ausgelöst zu haben. Ein weit verbreitetes Vorurteil ist demnach, dass gerade der Anteil von Action und Ballerspielen sehr hoch ist. Dabei gibt es eine ausgesprochen große Vielfalt an Computerspielgenres. Auf der GC - Games Convention dominieren allerdings Actionspiele, womit dieses Vorurteil in gewisser Hinsicht gestützt wird. Ich bin der Meinung, dass gerade PädagogInnen einmal auf der GC - Games Convention gewesen sein sollten, um einen authentischen Einblick in Jugendkultur(en) zu erhalten. Aus dieser Erfahrung können im Endeffekt zwei Nutzen gezogen werden. Zum einem sehe ich einen rein pragmatischen Nutzen, der direkt an den Umgang mit Jugendlichen anknüpft. Diese bekommen schnell mit, wenn ein Lehrer bei einer Materie mitreden kann und finden das natürlich interessant. Oftmals eröffnet dieses Wissen neue Gesprächsmöglichkeiten, ähnlich wie das Kommunizieren über Fußball oder Ähnliches. Der zweite Nutzen ist eher eine theoretische Antwort. Meiner Ansicht nach sollte sich jeder professionelle Pädagoge mit seiner Zielgruppe beschäftigen und somit auch mit deren Alterskultur. Ein Pädagoge hat die Aufgabe, die Leute dort abzuholen, wo sie sind, also muss er auch an ihren Interessen anknüpfen. Damit ist der Besuch der GC - Games Conven-tion also immer auch eine Weiterbildung.
Welche Computerspielgenres würden ihrer Meinung nach Eltern und Pädagogen favorisieren?
Es gibt eine ganze Reihe von Genres, die auch von Eltern und Pädagogen genutzt wird, so zum Beispiel das Genre der Strategiespiele. Dort wird von ihnen am ehesten eine Förderung logischen Denkens vermutet, womit diese Spiele als weniger problematisch eingestuft werden. Sicherlich haben die meisten auch nichts gegen Sportspiele oder Simulationen. Adventurespiele sind ein Genre, welches auch bei Erwachsenen einen guten Anklang findet und das auch Frauen sehr gerne spielen.
Wenn Sie auf der GC - Games Convention unterwegs sind, haben sie dann eine bestimmte Strategie, durch die verschiedenen Hallen zu gehen?
Ich bevorzuge eine Mischform aus vorherigem Anlesen und Selbstentdecken. Bereits in der Bahn auf dem Weg zur Messe schaue ich mir Materialien an und überlege mir, wo ich gezielt hingehen möchte. Ansonsten bin ich eher kein Stammbesucher auf der Messe, bisher jedenfalls noch nicht. Deshalb brauche ich zunächst natürlich eine Orientierung und muss mir einen Überblick darüber verschaffen, was es überhaupt alles gibt. Und natürlich beobachte ich das Geschehen auch aus der Perspektive des Wissenschaftlers – gerade weil es sich hier nicht mehr explizit um meine eigene Alterskultur handelt, sondern diese deutlich jünger ist. Aber nicht nur die Informationen locken mich, sondern gerade die Atmosphäre und die vielen Inszenierungen auf der Messe sind ein Erlebnis.
Prof. Dr. Johannes Fromme
leitet den Lehrstuhl für erziehungswissenschaftliche Medienforschung der Universität Magdeburg sowie das dort ansässige Audiovisuellen Medienzentrum. In seinen Forschungsarbeiten beschäftigt er sich insbesondere mit den unterschiedlichen Facetten der Computerspielkultur.
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